Insolvenz in Wien durch Odebrecht-Skandal

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Der gigantische Odebrecht-Schmiergeldskandal in Lateinamerika löst jetzt eine große Firmenpleite in Österreich aus. In Brasilien hatte der Konzern einen Insolvenzantrag gestellt. Nun ist auch gegen die Odebrecht-Tochter E&P mit Sitz in Wien ein Insolvenzantrag eingebracht worden.

785 Millionen Dollar an Schmiergeld soll Odebrecht laut Schätzungen der US-Justiz bezahlt haben. Der Skandal brachte die brasilianischen Ex-Präsidenten Lula da Silva, Temer und Collor de Mello ins Gefängnis. In Peru erschoss sich Ex-Präsident Alan Garcia, als ihn die Polizei im April festnehmen wollte. Das Auffliegen des Skandals brachte dem Bau-, Energie- und Infrastrukturkonzern Odebrecht allein in den USA eine 3,5-Milliarden-Dollar-Strafe ein. Im Juni stellte Odebrecht in Brasilien mit 12 Milliarden Euro Schulden einen Insolvenzantrag.
Tochterfirma hat 117 Mio. Euro Schulden

Der Odebrecht-Konzern betreibt in Österreich rund 20 Tochterfirmen, weil das steuerliche Vorteile bringt. Wie die „Presse“ berichtet, gibt es nun einen Insolvenzantrag in Wien gegen die „Odebrecht E&P GmbH“ mit 117 Millionen Euro Schulden.

Der Anwalt und E&P-Geschäftsführer Paul Doralt bestätigte gegenüber Ö1 den Zusammenhang zum Korruptionsskandal und zu einem 100-Millionen-Kredit von Deutscher Bank und ING: „Das hat natürlich damit etwas zu tun. Denn die Kreditmittel wurden in Peru in ein großes Infrastrukturprojekt investiert. Und das mussten wir abschreiben auf null, weil dieses Projekt durch Schmiergeld an Land gezogen wurde und wir es verloren haben naturgemäß. Und jetzt können wir auch den Kredit an Deutsche Bank und ING nicht zurückzahlen.“ Die Banken haben den Insolvenzantrag über die E&P gestellt.
Firma hat keine Mitarbeiter

Laut dem Kreditschutzverband KSV zählt die Odebrecht E&P-Insolvenz zu den größten des Jahres in Österreich, was die Höhe der Schulden betrifft. Aber Auswirkungen habe sie in Österreich nicht, sagte Doralt, die Firma habe keine Mitarbeiter, fungiere nur als Eigentümerin von Firmen in Angola, Peru und Venezuela.

Paul Doralt ist Geschäftsführer von insgesamt 20 Odebrecht-Firmen in Österreich, darunter auch Bohrplattformen im Pazifik. Aus steuerlichen Gründen wurden die Firmen in Wien gegründet: „Wären die Firmen profitabel geworden, dann hätten sie steuerfrei Gewinne vereinnahmen können. Dadurch, dass sie jetzt pleite sind und keinerlei Gewinne machen, bringt das natürlich nichts.“
Doppelbesteuerungsabkommen mit Brasilien

Dass österreichische Firmen, die in Brasilien aktiv sind, keine Gewinnsteuern zahlen müssen, liegt an einem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Österreich und Brasilien. Es sollte österreichischen Firmen nutzen und Investitionen in Brasilien fördern. Aber brasilianische Konzerne haben es durch die Gründung von Tochterfirmen in Österreich genutzt.

Übrigens: Die Odebrecht-Korruptionszahlungen sind zu einem Gutteil über die Meinl Bank auf der Insel Antigua gelaufen, einen Zusammenhang zu den Odebrecht-Töchtern in Wien sieht Doralt nicht: „Das war ja – wie sich jetzt herausgestellt hat – eine eingeschworene Truppe von zehn bis elf Leuten rund um Firmenchef Marcello Odebrecht, die diese ganzen Schmiergeldzahlungen abgewickelt haben. Also, das kann ich mir nicht vorstellen, dass man da in Österreich gefragt hat: ‚Sagts, habt ihr da eine Bank, die wir benutzen können?‘“ Odebrecht hatte die Meinl Antigua von der Meinl Bank in Wien gekauft.

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